Biologische Frage: Wie kann man Arten einfach und sicher identifizieren?
Die Identifizierung von Arten ist nicht nur die Grundlage für ökologische Untersuchungen und Kartierungen, sondern spielt auch in der Angewandten Biologie eine immer wichtigere Rolle. Neue Trends in der Ernährung wie Ayurveda oder Traditionelle Chinesische Medizin, Globalisierung von Handel und Ernährung, aber auch die unkontrollierte Einwanderung neuer Pflanzen (Neophyten) sind nur einige der Felder, wo einfache und sichere Identifizierung von Pflanzenarten gefragt sind. Spezialisten mit der entsprechenden Formenkenntnis werde jedoch immer seltener. Dies stellt beispielsweise die Behörden, die für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zuständig sind, vor große Probleme.
Unser Ansatzpunkt: Genetic Barcoding
Es geht also darum, die klassische Artbestimmung durch neue Methoden zu ergänzen (nicht zu ersetzen!), die auch für Routineuntersuchungen geeignet sind. In mehrjähriger Arbeit wurden hierfür für verschiedene Organismengruppen, darunter auch Pflanzen, Markergene identifiziert, die artspezifisch sind und mithilfe PCR-basierter Methoden erhoben werden können. Die Grundidee dieses Genetic Barocoding ist, dass man ähnlich wie der Barcode im Supermarkt jedes einzelne Produkt identifiziert, jede Art mit einem solchen Satz von Markern eindeutig identifzieren kann. Freilich ist ein Genetic Barcode nur so gut oder so schlecht wie die zugrundeliegende Artbestimmung - wenn die nicht stimmt, stimmt auch der Barcode nicht. Daher gehen wir so vor, dass wir die Arten von Interesse auch morphologisch gut charakterisieren. Auf der Basis eines Barcodes lassen sich dann PCR-basierte Tests entwickeln, mit denen man schwer zu unterscheidende Arten auseinanderhalten kann.
Projekt:
Auf der Basis der genetic barcodes sollen nun im Rahmen des Projekts für ausgewählte Arten aus der Ayurvedischen Medizin, aber auch für Modearten in Tees und Gewürzmischungen (z.B. Lemon Myrtle) PCR-basierte Nachweistests zu entwickeln, mit denen die Identifizierung einer Art in einer Probe schnell und sicher möglich ist. Vor allem kann man damit auch toxische Surrogatarten ausschliessen und so die TCM sicherer machen. Parallel dazu sollen für diese Arten zellbiologische Monographien entwickelt werden. Neben DNS-Isolation und molekularbiologischen Verfahren kommen also auch histologische Verfahren (Mikrotomie, Histochemie, Fluoreszenzmikroskopie) und phylogenetische Analysen (molekulare Stammbäume) zum Einsatz.
Hintergrundinformationen zu diesem Projekt
68. Jürges, G., Beyerle, K., Häser, A., Nick, P. (2009) Development and validation of microscopical diagnostics for ‘Tulsi’ (Ocimum tenuiflorum L.) in ayurvedic preparations, Eur. Food Res. Technol. 229, 99-106 - pdf (Exemplarische Arbeit, wo wir zum ersten Mal zeigen, wie man durch die Kombination von molekularen Markern und histologischen Verfahren Surrogate von neuartigen Nahrungsmitteln nachweisen kann).








